SV SANDHAUSEN

So kümmert sich der SVS um Fans ohne Sehvermögen

Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle am Hardtwald bilden sich bei einer Schulung fort.

Wie verfolgt ein sehbehinderter oder komplett erblindeter Mensch ein Fußballspiel im Stadion? Und wie können Mitarbeiter eines Fußballvereins Fans, deren Sehkraft beeinträchtigt ist, helfen? Diesen und weiteren Fragen gingen die Mitarbeiter der Geschäftsstelle des SV Sandhausen im Rahmen einer Schulung nach, die Fanbeauftragter Timm Merten leitete.

Der SVS will nicht nur unbeeinträchtigten Fans Livefußball anbieten, sondern auch Menschen, die gehandicapt durchs Leben gehen. Im Fall von sehbehinderten oder komplett erblindeten Anhängern kommt die sogenannte Audiodeskription zur Anwendung. Fans, deren Sehstärke gravierende Defizite aufweist, werden mit Kopfhörern versorgt. Sie hören zum Spiel einen Livereporter, der ihnen das Geschehen auf dem Platz detailliert schildert.

Sechs ehrenamtliche Reporter für sehbehinderte Fans

Beim SVS übernehmen insgesamt sechs Ehrenamtliche diese Aufgabe. Der jüngste Reporter ist gerade einmal 16 Jahre jung. Pro Spiel kommen drei Reporter zum Einsatz, die sich abwechseln, schließlich würde es für einen Sprecher allein zu anstrengend werden, 90 Minuten Fußball so zu schildern, dass blinde Menschen davon einen Nutzen haben. Denn anders als die Kommentatoren im Fernsehen können sich die Reporter bei der Audiodeskription keine Pausen erlauben, sondern müssen permanent schildern, was sich auf dem Rasen tut.

Im Selbsttest stellten einige Mitarbeiter aus der SVS-Geschäftsstelle fest, wie schwer es ist, ein Spiel sachgerecht für blinde Menschen zu kommentieren. Sie lernten aber auch grundsätzliche Dinge darüber, was es bedeutet, blind zu sein oder zu werden, so zum Beispiel, dass als blind nur derjenige gilt, dessen stärkeres Auge lediglich noch zwei Prozent Sehstärke besitzt, selbst mit einer Brille oder Kontaktlinsen.

Sehbehinderung: Mitarbeiter machen den Selbsttest

Dabei gibt es zig Augenerkrankungen, bei denen ein Patient nicht als blind gilt, die das Sehvermögen aber dennoch elementar beeinträchtigen. Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle bekamen davon eine Vorstellung, als sie sich Modellbrillen aufsetzten, mit denen das Sehvermögen bei verschiedenen Krankheiten simuliert werden (siehe Foto). Bei einem grauen Star mit 90 Prozent fehlender Sehkraft etwa waren sich die Mitarbeiter nach dem Selbsttest mit der entsprechenden Brille alle einig, dass man mit einer derartigen Beeinträchtigung „gefühlt blind“ ist.

Neben Timm Merten führte auch Frauke Weithase, die ehrenamtliche Fanbeauftragte Inklusion des SV Sandhausen, durch die Schulung. Sie betonte: „Wichtig ist, Menschen mit Behinderung mit Respekt zu begegnen und immer direkt anzusprechen, wenn man das Gefühl hat, sie oder er könnte Hilfe gebrauchen, und diese Hilfe auch anzubieten.“ Alle Mitarbeiter des SV Sandhausen waren sich am Ende der 90-minütigen Schulung einig, dass ihnen die Informationen aus der Veranstaltung helfen werden, die Willkommenskultur im Stadion auch in diesem Bereich noch weiter zu stärken.

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